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Zylinderlaufbuchsen ziehen

Begonnen von Petzold, 20. Februar 2016, 23:33:15

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Petzold

Hallo,
ich starte gerade mein zweites V8 Projekt und stehe schon am Anfang vor einem Problem.
Trotz eines "kräftigen" Werkzeuges bekomme ich die Laufbuchsen nicht gezogen. Vermutlich stand der Motor sehr lange und ist stark korrodiert.
Gibt es ein "Zaubermittel", dass die Verkrustung so weit anlöst, dass die Buchsen gezogen werden können?

Danke
Viele Grüße
Lutz Petzold
BMW 502A Bj. 1954

Karlheinrich Meisel

Hallo,
ohne entsprechendes Werkzeug ist das schwierig. Ich habe zunächst versucht, die Buchsen mit 2 Flacheisen und einer Gewindestange mit 12er Muttern unter starke Spannung zu setzen. Dabei musste ich so viel Kraft aufwenden, daß sich sowohl die Eisenteile verbogen haben als auch die Gewindestange sich etwas gelängt hat (das waren eine Eisenteile aus dem Baumarkt). Trotzdem hat sich damit nichts bewegt. Daraufhin habe ich stärkere Flachstähle von Jürgen Dettki erhalten. Die Laufbuchsen haben sich auch damit erst bewegt, als ich den Motorblock bzw. die Zylinder von außen mit der Heißluftpistole erwärmt habe. Dann fingen die Buchsen an, sich langsam zu bewegen bis sich die Spannung verringert hatte. Der Rest war einfach. Die immer noch zu weiche Gewindestange war nach 4 Zylindern aber unbrauchbar, so daß ich sie wechseln musste. Inzwischen habe ich für den 2.Motor ein Spezialwerkzeug von Jürgen Dettki erstanden, das erheblich stabiler ausgeführt ist und in der Gewindestange eine geringere Steigung hatte. Damit ging es beim nächsten Motor problemlos. Beim Zusammenbau musst Du darauf achten, daß alle Teile gut entrostet sind und leicht ineinander passen. Ich musste die Führungsflächen des Motorblocks mit einem Poliervorsatz an der Bohrmaschine bearbeiten, bis die Buchsen wieder passten (bei beiden Motoren). Dazu habe ich zuerst mit einem runden Sandpapiereinsatz (ich glaube, der hatte 10 cm Durchmesser, gibt's in jedem Baumarkt) an der Handbohrmaschine entrostet und dann mit einem Textileinsatz und Polierpaste die Oberfläche ebenfalls mit der Handbohrmaschine poliert.
viele Grüße
Karlheinrich
BMW 2600 L, Bj. 4/1963, Pazifikblau

Petzold

Hallo,

bei meinen ersten beiden Motoren war es kein Problem, auch mit einem eher improvisiertem Werkzeug.
Jetzt habe ich schon eine starke Zugspindel mit M22x1,5 und stabilen Flanschen. Das sollte eigentlich reichen und genug Zugkraft entfalten?
Erwärmen wäre natürlich auch noch eine Möglichkeit, aber ich hoffe eigentlich auf das passende "Lösungsmittel" bzw. Rostlöser.
Ich befürchte auch, wenn ich noch mehr Gewalt anwende, dass der Block Schaden nimmt?

Gruß
Lutz Petzold
BMW 502A Bj. 1954

Karlheinrich Meisel

Hallo,
ich fürchte mit Lösungsmitteln oder Rostlösern wird es nicht gehen: von oben wird man nicht drankommen an dem Falz der Laufbuchsen vorbei und von unten wird spätestens bei dem ersten Dichtungsring Schluß sein. M.E. sitzt der meiste Rost aber zwischen den beiden Gummiringen. Sehr vorsichtig wäre ich mit sauren Rostlösern, da würde ich größere Korrosionsschäden befürchten (Leichtmetall). Kriechöle wie WD40, Caramba etc. verdunsten m.E. zu schnell. Ich persönlich nehme am liebsten Fluid Film Liquid A und weiche damit einige Tage ein. Das Zeug kriecht wie Sau, verdunstet aber nicht so schnell. Damit habe ich schon einige Schrauben raus bekommen, denen mit den üblichen Kriechölen nicht beizukommen war, z.B. abgerissene Bolzen der Auspuffkrümmer. Aber wie gesagt, ich nehme an, daß es zwischen die beiden Gummiringe nicht kommen wird.
viele Grüße
KH
BMW 2600 L, Bj. 4/1963, Pazifikblau

Petzold

Hallo,

das ist ja auch meine Befürchtung, dass man mit dem falschen Rostlöser noch mehr Schaden macht. WD 40 zeigt auch nach zwei Tagen keine Wirkung.
Die Zugänglichkeit ist eigentlich günstig. Jeder Zylinder hat ja eine Bohrung für das Kühlwasser (seitlich hinter dem Deckel links und dem Ölkühler rechts). Dort lässt sich gut Flüssigkeit einfüllen. Wenn es sein muß, erreicht man den unteren O-Ring durch die kleine "Leckbohrung" zwischen den Ringen. Da der untere Ring gegen Öl abdichtet, vermute ich den erstmal nicht als Problem?
Die Erfahrung mit dem Fluid Film Liquid A werde ich gern aufgreifen und versuchen.

Gruß
L.P.
BMW 502A Bj. 1954

hddmax

#5
Ich habe das so gelöst:


Petzold

"Ich habe das so gelöst:"

Hallo hddmax,

die Spindel sieht auch sehr "kräftig" aus. Wie gesagt, im Normalfall sind  die Kräfte wohl überschaubar. Ich habe jetzt die erste Buchse heraus. Aber selbst ein Meter-Rohr als Verlängerung hat nicht gereicht. Ohne kräftige Schläge auf den Spanndorn von unten hätte sich nichts bewegt. Zum Glück ist die Dichtfläche nicht, wie befürchtet, vom Kühlwasser zerfressen.
Nun hoffe ich, dass eine Woche Rostlöser die anderen "überzeugt" den Wiederstand aufzugeben.
Ich habe auch die Idee, unter die Spannmutter ein Axial-Kugellager zu montieren um die Kraftübertragung noch zu verbessern - hoffentlich hält es das aus, und die Lagerteile springen mir nicht entgegen???

Gruß
Lutz
BMW 502A Bj. 1954

Petzold

Hallo,

kleiner Nachtrag noch mal von mir.
Ich habe unter die Spannmutter ein Axial-Drucklager verwendet und es ging ohne Probleme. Das Lager hat die Reibkräfte fast aufgehoben und die volle Spindelkraft konnte die maximale Kraft übertragen.

Aber eine andere Frage ist aufgetaucht:
Im Bereich der O-Ringe der Laufbuchsen scheinen auch Buchsen in den Motorblock eingelassen zu sein?
Bei meinem ersten Motor glaube ich mich zu erinnern, dass die Zylinderbuchsen direkt zum Motorblock abgedichtet haben? Die angefressenen Dichtflächen machten mir damals auch Sorgen.
Oder handelt es sich jetzt bei diesem Motor um eine spätere Motorvariante?

Viele Grüße
Lutz
BMW 502A Bj. 1954

hddmax

#8
Hier sind alle Bilder meiner Motorrevision:

der Link geht leider nicht mehr

lg Harald

Petzold

Hallo Harald,

sehr interessante Bilderserie!
Wie es aussieht, hatte der Motor schon erhebliche Verschleißspuren?
Da fallen mir spontan gleich mehrere Fragen ein:
Ist der Motor bis zur Revision problemlos gelaufen, oder war es eine "Wiederbelebung"?
Ließen sich die vielen Haarrisse reparieren?
Wurden die Ventilführungen ausgetauscht?
Wurden die Stößeltassen auch ersetzt?
Wie wurde mit der Einlaufkante an den Zylinderbuchsen umgegangen?
Wieviel Spiel ist am oberen Kolbenring noch vertretbar?

Viele Grüße
Lutz
BMW 502A Bj. 1954

hddmax

#10
Zitat von: Petzold am 01. März 2016, 22:41:08
Wie es aussieht, hatte der Motor schon erhebliche Verschleißspuren?

Ja der hatte einen Lagerschaden auf Grund von einem falsch eingebautem hinteren Borgmannring

Zitat von: Petzold am 01. März 2016, 22:41:08
Ist der Motor bis zur Revision problemlos gelaufen, oder war es eine "Wiederbelebung"?

war eher eine Wiederbelebung ist angeblich vor ca. 6 Jahre noch gelaufen

Zitat von: Petzold am 01. März 2016, 22:41:08
Ließen sich die vielen Haarrisse reparieren?

hätten sich reparieren lassen, habe jedoch 2 gute Köpfe organisiert

Zitat von: Petzold am 01. März 2016, 22:41:08
Wurden die Ventilführungen ausgetauscht?
Wurden die Stößeltassen auch ersetzt?
Wie wurde mit der Einlaufkante an den Zylinderbuchsen umgegangen?

Es wurde folgendes gemacht:
neue Kolben mit allen Ringen, Ventile, Ventilführungen, Ventilschaftdichtungen
neue Kipphebelwellen, Pleuel und KW Lager
neue Kolbenbolzen und Kolbenbolzenlager
neue Kipphebelbuchsen, Stehbolzen
neue KW Dichtung mittels Simmeringe
alle Dichtungen neu (versteht sich von selbst)

Buchsen wurden gebohrt und gehont
die KW geschliffen und für die Simmeringe überarbeitet
die Ölwanne und Stirndeckel für die Simmeringe überarbeitet
die Stösselbecher geschliffen
die Köpfe leicht geplant
die Kipphebel überarbeitet
die Ventilsitze überarbeitet
Schwungscheibe überdreht
und die Wapu überholt

Wieviel Spiel ist am oberen Kolbenring noch vertretbar?
siehe Bild


Petzold

Hallo Harald,

danke für die ausführliche Antwort. Damit ist der Motor ja wohl wie neu!
Meine Ausgangsbasis scheint doch in besserem Zustand und ich hoffe eigentlich mit geringem Aufwand den Motor herzurichten.
Die Verschleißdaten aus der Reparaturanleitung kenne ich natürlich, aber die Frage stellt sich, was ist wirklich nötig, wenn der Verschleiß halt etwas über der Werksgrenze liegt?
Es laufen sicher viele Motore ohne Beanstandung, die bei einer strengen Prüfung der Verschleißgrenzen eventuell ein Sanierungsfall wären? In Anbetracht der zu erwartenden geringen Laufleistung kommen natürlich auch Zweifel über den nötigen Aufwand bei der Restaurierung des Motors. Bei meinem ersten Motor habe ich die oberste Kolbenringnut nachgedreht und breitere Ringe eingesetzt, die Buchsen nachhonen lassen und neue Lagerschalen eingesetzt. Breitere Ringe haben eine erheblich größere Spannung.
Schon bei der Montage konnte ich die Kurbelwelle mit jedem weiteren eingesetzten Kolben kaum noch durchdrehen. Der Anlasser hat es kaum geschafft den Motor durchzudrehen....Mir fehlte auch der Vergleich. Vielleicht ist das normal?
Was ist eigentlich die praktikabelste Lösung für die Reinigung des Motorblocks?
Bisher habe ich vieles, was sich anbot Glasperlgestrahlt - ist aber beim Block mit den vielen kleinen Hohlräumen vielleicht doch zweifelhaft?

Viele Grüße
Lutz
BMW 502A Bj. 1954

hddmax

Bei der Reinigung würde Ich eher auf Trockeneis setzen

Bei mir ist es so wenn schon herrichten, dann ordentlich  ;)